Ev.-luth. Kirchengemeinde Preetz

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Gruß zum Sonntag -

Gruß zum 14. Sonntag  nach Trinitatis am 06.09.2026
von Pastorin Lilienthal

 

Liebe Gemeinde,

Gesehen zu werden kann guttun. Und einen anderen Menschen richtig anzusehen auch. Also nicht nur den Blick auf jemanden im Vorbeigehen zu richten. Nicht nur so, wie wir uns jeden Tag begegnen und vielleicht schnell fragen. Alles klar? Wie geht’s? Ein echter Blick ist etwas anderes. Da nimmt sich jemand Zeit und sieht hin. Merkt vielleicht sogar, dass etwas nicht stimmt, obwohl man selbst gar nichts gesagt hat. Ja, gesehen zu werden, kann guttun. Auch Zachäus macht so eine Erfahrung. Seine Geschichte wird im Lukasevangelium erzählt. Zachäus lebt in Jericho, ist Oberzöllner und reich. Besonders beliebt ist er bei den Menschen in seiner Stadt nicht. Als Jesus nach Jericho kommt, möchte Zachäus ihn unbedingt sehen. Doch er ist zu klein und die Menschen stehen ihm im Weg. Also läuft er voraus und klettert auf einen Baum. Von dort oben hat er einen freien Blick. Dann kommt Jesus. Und ausgerechnet unter diesem Baum bleibt er stehen. Er schaut nach oben und ruft: „Zachäus!“ Erstaunlich! Jesus kennt seinen Namen. Eigentlich wollte Zachäus selbst nur einen Blick auf Jesus werfen. Aber nun ist er plötzlich selbst derjenige, der angesehen wird. Und Jesus sieht mit einem anderen Blick. Jesus sieht nicht nur den Oberzöllner, nicht nur den reichen Mann. Und auch nicht nur den Menschen, über den die anderen längst ihr Urteil gefällt haben. Er sieht Zachäus. Er kennt ihn mit Namen. Das verändert etwas. Jesus sagt nicht: Bring erst dein Leben in Ordnung, dann können wir weitersehen. Er sagt: „Heute muss ich in deinem Haus einkehren.“ Er kommt also zuerst. Und dann beginnt sich bei Zachäus tatsächlich etwas zu verändern. Er will teilen. Und dort, wo er anderen Unrecht getan hat, will er es wiedergutmachen. Ich mag diesen Gedanken. Denn auch wir Menschen sind schnell darin, einander einzuordnen. Das ist einfach und geht schnell. Eine schlechte Erfahrung, ein Fehler, ein Satz – und schon haben wir ein Bild von jemandem. Und ich glaube, manchmal tragen wir solche Bilder auch von uns selbst mit uns herum. Es sind Rollen, die uns einst zugeschrieben wurde. Die Schnelle, der Fleißige, die Musikalische. Die Langsame. Der Faule. Die Unmusikalische.

Zachäus erfährt etwas anderes. Jesus legt ihn nicht auf das fest, was war. Er sieht in ihm mehr. Vielleicht brauchen auch wir manchmal genau diese Erinnerung. Dass wir mehr sind als das, was uns misslungen ist und mehr als die Meinung anderer über uns. Und vor allem: mehr als das Bild, das wir selbst von uns haben.

Der Wochenspruch für diesen Sonntag lautet: „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ Vergiss nicht. Das ist manchmal gar nicht so einfach. Was uns Sorgen macht oder verletzt, behalten wir oft lange im Gedächtnis. Das Gute dagegen wird schnell selbstverständlich. Ein Mensch, der für uns da war. Ein Gespräch, das gutgetan hat. Eine schwierige Zeit, durch die wir hindurchgekommen sind. Ein Augenblick, in dem wir gemerkt haben: Ich bin nicht allein. Das sind die Momente, in den wir gesehen werden. Von Menschen und schon immer von Gott, mit Namen. Ich hoffe, dass dieser Blick immer mehr Resonanz in uns findet als der voreingenommene Blick.

Zachäus wollte an diesem Tag Jesus sehen. Am Ende hat er erfahren, dass Jesus ihn sieht. „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag und vor allem, dass Sie nie vergessen, Gott sieht uns an, so wie wir sind. Mit seinem Blick.

Ihre Carolin Lilienthal

 

 

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!

 

 


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Sonntag, 6. September 2026:

Fürchtet euch nicht, wenn euch die Leute schmähen, und entsetzt euch nicht, wenn sie euch verhöhnen!
Jesaja 51,7

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.
2.Timotheus 1,7
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