Ev.-luth. Kirchengemeinde Preetz

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Gruß zum Sonntag

Gruß zum 2. Sonntag Epiphanias am 16.01.2022

von Propst Faehling

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn, Jesus Christus. Amen.

1 Brüder und Schwestern, ich bin damals zu euch gekommen, um euch das Geheimnis Gottes zu verkünden. Ich bin aber nicht mit großartigen Worten oder mit Weisheit aufgetreten. 2 Denn ich hatte beschlossen, bei euch nur über eines zu reden: Ich verkünde euch Jesus Christus, der am Kreuz gestorben ist. 3 Als schwacher Mensch trat ich vor euch und zitterte innerlich vor Angst. 4 Meine Rede und meine Verkündigung sollten euch nicht durch ihre Weisheit überreden. Vielmehr sollte in ihnen Gottes Geist und Kraft zur Geltung kommen. 5 Denn euer Glaube sollte nicht aus menschlicher Weisheit kommen, sondern aus der Kraft Gottes.
6 Und doch verkünden wir eine Weisheit –und zwar denen, die dafür bereit sind. Es ist eine Weisheit, die nicht aus dieser Welt stammt. Sie kommt auch nicht von den Herrschern unserer Welt, die ja zum Untergang bestimmt sind. 7 Nein, wir verkünden die geheimnisvolle Weisheit Gottes, die bis jetzt verborgen war: Schon vor aller Zeit hatte Gott bestimmt, uns Anteil an seiner Herrlichkeit zu geben. 8 Keiner von den Herrschern unserer Zeit hat diese Weisheit erkannt. Sonst hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt. 9 In der Heiligen Schrift heißt es dazu: »Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, worauf kein Mensch jemals gekommen ist – all das hält Gott für die bereit, die ihn lieben.«
10 Uns aber hat Gott dieses Geheimnis durch den Heiligen Geist enthüllt. Denn der Heilige Geist erforscht alles, selbst die unergründlichen Geheimnisse Gottes.

Wie geht es Ihnen mit diesen Worten?
Hören Sie, ob Paulus behutsam ist?
Hören Sie Zurückhaltung?
Hören Sie etwas, als sei er berührt von einem Geheimnis des Glaubens.
Spüren Sie seine Ahnung, seine Hoffnung?; aber auch sein fast Stammeln, sein Suchen nach den richtigen Worten, sein Zittern, von dem er schreibt?

Ich bin ganz froh über diesen Text, weil ich ihn als eine Reihe von Gedanken empfinde, die mich einladen.
Kein selbstgewisser Prediger, keine selbstgerechte Kirche, kein triumphierender Glaube.

Vielmehr ein Hinspüren auf die Weite und Tiefe des Lebens, auf eine Weisheit, die größer ist als die Welt, die wir überblicken.

Und nicht einmal das Kreuz wird hier so präsentiert, wie sonst zuweilen in der Bibel, als wäre es die Tat eines göttlichen Übervaters gewesen, der sogar seinen eigenen Sohn hingibt.
Vielmehr ist die Weisheit Gottes - sein Überblick könnte ich auch sagen – den Menschen ein Geheimnis. Und so haben sie, weil sie dieses Geheimnis nicht überblickten, aber irgendwie auch nicht einfach stehen lassen wollten, es abgeräumt, den Überbringer der guten Botschaft ans Kreuz geschlagen.

Kein Auge, kein Ohr, kein Herz überblickt das Angebot Gottes, könnte es gewichten, werten, beurteilen.

Und doch ist es da.

Mir scheint, viele Menschen ahnen etwas davon. Denn obwohl die Institution Kirche z.B. von vielen abgelehnt wird, wird von denselben Menschen die Frage nach Gott durchaus gestellt.
Ich begegne oft Menschen, denen unsere Rituale, unser kirchliches Auftreten fremd sind, und die aber dennoch sagen: Ich glaube; oder ich ahne, dass es etwas wie Gott gibt.

Ich bin froh über einen Paulus, der das zu kennen scheint. Nicht der Macht redet er hier das Wort, nicht dem Gehorsam gegenüber denen, die Glaube verwalten. Sondern für meine Ohren predigt er hier die Einladung zu Offenheit, zu Berührbarkeit, zum Herantasten an ein Geheimnis, dass einerseits immer unergründlich bleiben wird, und dennoch zugleich die Seele stärkt.

Gott schenkt Liebe, weit über das hinaus, was wir fassen können.
Ich höre das als ein Wort von einer Zuwendung zum Leben, auf die ich mich verlassen kann – insbesondere, wenn ich mich von Menschen, von meinem eigenen Überblick, von meinen normalerweise wirkenden Kräften verlassen fühle.

Mich trägt diese Weite Gottes z.B. gerade auch in dieser unüberschaubaren Zeit.
So viele kluge Menschen sagen mir zur Zeit, was richtig ist und was falsch. Und obwohl sie so klug sind, widersprechen sie sich dabei, verwirren mich, sind selber am Suchen, sind überfordert vom Ernst und von der Größe der Lage. Das kann ich zutiefst verstehen.
Und zugleich führt es teilweise dazu, dass Menschen., die sich dabei hilflos fühlen, zu kurzen und z.T. ganz skurilen Wahrheiten greifen, die ihnen geboten werden. Sie werden geboten von solchen, die selbst verwirrt sind. Sie werden auch geboten von Rattenfängern. Sie werden geboten von solchen, die lange und suchende Wege so unerträglich finden, dass sie kurz und knapp und schwarz und weiß entscheiden wollen.
Wir begegnen dabei dann nicht nur Skeptikern und Ängstlichen, sondern auch verrückten Ideen wie der von Erde, die doch eine Scheibe ist und Menschen, die für ihre kruden politischen Ideen unter dem Deckmantel der Pandemie endlich Anhängerinnen finden.

Mit anderen Worten: Eine Krise fragt die Menschen natürlich immer nach ihrem inneren Ankerpunkt. Wo finde ich Halt? Und wo finde ich daraus eine Haltung?

Paulus in all seiner Zurückhaltung, in seinem Herantasten, aber auch in seinem Sichersein, dass dieses Geheimnis des Glaubens und des Lebens eine Kraft hat, die gut für mich ist, hilft mir zu Halt und Haltung.
Ich fühle mich gestärkt in Geduld, in Zurückhaltung, in Offenheit für die Ängste anderer.
Ich fühle mich auch gestärkt in meinem Nicht-Greifen nach Gewalt, nach Drohung, nach kurzen Prozessen.

Am Ende bin ich zwar langsam. Aber ich bin auch behutsam. Ich bin nicht sicher in meinem Urteil, aber sicher in meiner sinnvoller Suche nach einem guten Weg. Ich kenne nicht das Geheimnis des Lebens, aber ich kann glauben, dass das Leben auf meiner Seite ist.

Ich lebe in Grenzen, aber die Idee eines Grenzen überschreitenden Gottes tut mir sehr gut.

Amen.

 

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!


 

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