Ev.-luth. Kirchengemeinde Preetz

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Gruß zum Sonntag

Gruß zum Sonntag Reminiscere am 28.02.2021

gehalten von Pastorin Parra

 

 

 

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Liebe Leserinnen und Leser,   
haben Sie / habt Ihr heut schon gebetet? –Wie? Die Frage ist zu persönlich? Naja, ich gebe zu, das ist kein leichtes Gesprächsthema. Im Gebet treten wir schließlich ganz ungeschminkt vor Gott – mit allen Fehlern und Schwächen, mit unseren Ängsten und geheimen Sehnsüchten. Meine Konfirmandinnen und Konfirmanden haben mit mir in den vergangenen Wochen in Einzelgesprächen über das Beten geredet und das war für mich sehr bereichernd. Manche der Gedanken aus diesen Gesprächen fließen in diese Predigt ein, die wir im Unterricht inhaltlich vorbereitet haben:

Dann kam Jesus mit seinen Jüngern zu einem Grundstück, das Getsemani hieß. Er sagte zu ihnen: »Setzt euch hier! Ich gehe dort hinüber, um zu beten.« Petrus und die beiden Söhne von Zebedäus nahm er mit. Angst und tiefe Traurigkeit befielen ihn, und er sagte zu ihnen:
» »Ich bin so bedrückt, ich bin mit meiner Kraft am Ende. Bleibt hier und wacht mit mir!« Dann ging er noch ein paar Schritte weiter, warf sich nieder, das Gesicht zur Erde, und betete: »Mein Vater, wenn es möglich ist, erspare es mir, diesen Kelch trinken zu müssen! Aber es soll geschehen, was du willst, nicht was ich will.«  Dann kehrte er zu den Jüngern zurück und sah, dass sie eingeschlafen waren. Da sagte er zu Petrus: »Konntet ihr nicht eine einzige Stunde mit mir wach bleiben? Bleibt wach und betet, damit ihr in der kommenden Prüfung nicht versagt. Der Geist in euch ist willig, aber eure menschliche Natur ist schwach.« Noch einmal ging Jesus weg und betete: »Mein Vater, wenn es nicht anders sein kann und ich diesen Kelch trinken muss, dann geschehe dein Wille!« Als er zurückkam, schliefen sie wieder; die Augen waren ihnen zugefallen. Zum dritten Mal ging Jesus ein Stück weit weg und betete noch einmal mit den gleichen Worten. 45 Als er dann zu den Jüngern zurückkam, sagte er: »Schlaft ihr denn immer noch und ruht euch aus? Die Stunde ist da; jetzt wird der Menschensohn an die Menschen, die Sünder, ausgeliefert. 46 Steht auf, wir wollen gehen. Er ist schon da, der mich verrät!«  (Mt 26,36-46)

Jesus ist bedrückt, kraftlos, hat Angst vor Gefängnis, Folter und Tod, vor dem Alleinsein mit alldem. In seiner Not bittet er seine Freunde um Beistand: „Bleibt hier und wacht mit mir!“ Sie aber schlafen einfach ein, gleich dreimal! Vergeblich bittet er sie: „Bleibt wach und betet!“ Das will er nicht nur für sich, sondern auch, damit sie sich bereit machen können für das, was vor ihnen liegt. Sie sollen der Versuchung widerstehen, die Augen zu schließen wie das Kaninchen vor der Schlange, sollen sich sich selbst stellen – im Gebet.
Beten ist nicht nur schön, sondern manchmal auch unbequem. Es führt uns unsere Grenzen vor Augen. Im Leben gibt es Dinge, die können wir nicht allein bewirken, regeln oder reparieren. Hilft es denn wenigstens, sich Gott anzuvertrauen? Was ändert das?
Manchmal wendet sich nach einem Gebet wie durch ein Wunder das Blatt: Verlorengeglaubtes taucht wieder auf, geliebte Menschen werden vor drohender Gefahr bewahrt. Aber manchmal scheint auch alles genauso zu bleiben wie zuvor. Wieso will Gott nicht helfen? Kann er nicht?
Jesus bittet Gott in seiner Angst um Rettung, obwohl er selbst zuvor schon davon gesprochen hat,  dass er in die Hände seiner Feinde geraten und sterben muss. Er ist ganz Mensch, ist schwach, verletzlich und versucht, sich seinem Schicksal zu entziehen. Gleichzeitig will er tun, was Gottes Plan für ihn ist. Mit all dem tritt er vor Gott.
Eugen Eckert dichtete:

„Meine engen Grenzen, meine kurze Sicht bringe ich vor dich. Wandle sie in Weite: Herr, erbarme dich!...“

 

Über die eigenen Grenzen zu sprechen ist wirklich sehr persönlich, darum fasse ich mehrere Gedanken meiner Konfirmanden dazu neu zusammen: „Manchmal bete ich, wenn ich merke, dass ich einen Fehler gemacht habe und nicht weiter weiß. Dann merke ich: Ich kann wieder neu anfangen. Ich sehe dann, wie das gehen kann.“ „Manchmal bete ich, wenn ich Streit habe und man mich nicht versteht. Ich brauche diese Zeit, damit ich verstehe und wir uns hinterher wieder vertragen können.“ „Manchmal bete ich, wenn ich traurig bin, weil etwas Schlimmes passiert ist, das ich nicht ändern kann.“


 „Meine ganze Ohnmacht, was mich beugt und lähmt bringe ich vor dich. Wandle sie in Stärke: Herr, erbarme dich...“

Wir kommen im Leben an Grenzen und Furchtbares geschieht, das wir nicht verstehen. Wieso kann ein so kleines Virus über unser aller Leben bestimmen und bewirken, dass Menschen einsam sterben, dass wir unsere Freunde nicht treffen dürfen, dass alles stillsteht? Wie lange soll das noch so gehen?


„Mein verlornes Zutraun, meine Ängstlichkeit bringe ich vor dich. Wandle sie in Wärme: Herr, erbarme dich...“

Das Gebet ändert nicht immer die Welt um uns herum. Was geschieht bleibt manchmal unverständlich, macht uns auch zu Recht ängstlich, wütend und traurig. Trotzdem kann es gut tun, sich in all dem Gott anzuvertrauen. Aus diesem Eingestehen unserer Ohnmacht kann Stärke werden. Im Eingestehen unserer Ängste kann sich etwas lösen.
Am einigsten waren die Konfirmanden darüber, dass man im Gebet alles sagen darf. Und interessant: Auch wer von den Konfis meint, dass ein Gebet gar nichts bringt, hat nichts dagegen zusammen das Vaterunser zu beten. Beten ist etwas, das in Gemeinschaft leichter fallen kann. Darum wollte Jesus ja auch, dass seine Freunde mit ihm beten.


„Meine tiefe Sehnsucht nach Geborgenheit bringe ich vor dich. Wandle sie in Heimat: Herr, erbarme dich.“

In unserer Gemeinschaft, die wir im Gebet haben, wird der Raum weit. Wenn wir für unsere Umwelt, für ein gerechtes und friedliches Miteinander beten, dann wird das auch unser Handeln beeinflussen.
 Was wir aneinander tun, wenn wir füreinander  und miteinander beten, das weist auf den Grund unserer Gemeinschaft hin. Wenn die Antwort auf ein Gebet uns nicht in Wundern Gottes deutlich wird, so doch in dem, was es in uns und zwischen uns verändert. Vielleicht sind das ja in Wahrheit auch Wunder Gottes. Traun wir uns, das herauszufinden!
Ihre und Eure Pastorin Ute Parra

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!

 

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Johannes 19,26-27
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