Ev.-luth. Kirchengemeinde Preetz

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Gruß zum Sonntag

Gruß zum 8. Sonntag nach Trinitatis am 02. August 2020
von Pastor Pfeifer

 

Liebe Gemeinde,
haben Sie in den letzten Wochen einmal bewusst sich die Wolken angeschaut?

Vielleicht nicht. Sie sind ja einfach da und ziehen über uns hinweg.

Aber gerade die aktuelle Wetterlage der letzten Wochen mit Schauern und einem ständigen Wetterwechsel haben wunderbare Wolkenbilder an den Himmel gezaubert.

Und dann noch darunter das reife Getreide. Schöner geht es nicht.

„Himmel Erde Luft und Meer“ hat Joachim Neander 1680 gedichtet. 150 Jahre nach der Reformation. Gut 40 Jahre nach dem Dreißig jährigen Krieg, der schlimmes Leid über die deutschen Lande gebracht hat.

Und das als Krieg der großen Konfessionen – im Namen Gottes? Der Glaube der Menschen kurz vor der Aufklärung durchlebte mal wieder eine schlimme Krise. Aufgeweicht. Verweltlicht. Zweifelnd. In dieser Verunsicherung prägen, wie wir heute sagen würden, die Frommen, viele Gemeinden. Erweckung. Pietismus. Ganz nah bei Jesus und bei Gott.

Das half. Die Lieddichtungen, so auch unser Lied heute, schärfen unseren Blick für eine neue Sicht der wunderbaren Schöpfung. Gott in der Natur nicht weit weg, sondern ganz nah erleben.

1680- noch keine Klimadiskussion. Keine verschmutzten Gewässer. Keine Sorge vor dem Artensterben. Gut, so etwas, was wir im Moment mit Corona erleben, kannte man schon durch Pest und Cholera. Übrigens, der Lieddichter selbst, Johann Neander starb schon mit 30 Jahren, viel zu früh. An der Pest. Aber die wenigen Jahre vorher hat er genutzt, zu predigen und zu dichten.

Natürlich war die Verbundenheit mit der Natur ohne große Städte und Industrie noch viel unmittelbarer.

Nun leben wir nicht mehr im Jahre 1680. Aber ein Blick heute mit Worten einer sehr ernsten Glaubenseinstellung, tut immer wieder gut. „Himmel, Erde“ – damit fängt es an. Wie gut, dass wir nicht nur unseren Blick deprimiert nach unten richten müssen, sondern nach oben schauen dürfen. Dass unser Herz weit werde. Der Kopf hoch. Der Rücken gerade. Himmel – Erde – Leben zwischen zwei Polen, nicht nur abheben und wegträumen gen Himmel , sondern mit beiden Beinen auf der Erde bleiben, aber wenn es hier zu schwer wird, auch eine Offenheit, eine Freiheit und Weite vom Himmel, von Gott her spüren.

Und es ist wie mit den Wolken. Leben, nie gleich, immer in Bewegung. Wie das Leben heute so, morgen so.

Luft und Meer wer hat es nicht selbst erlebt, diese Kombination aus Wind, Wasser, Wellen, Sturm und Gischt. Zwar schon manchmal bedrohlich, aber auch faszinierend.

Alles, so dichtet Neander zeugt von Gottes Schöpfung. Und wir sind eingeladen, trotz Corona, trotz Katastrophen und Zerstörungen in der Natur, Gottes Schöpfung zu loben.

Hier drinnen. Du meine Seele singe. Schade, dass wir das jetzt nicht können. Singen. Dafür lädt die Orgelmusik uns ein, mit zu schwingen, vielleicht auch vorsichtig leise zu summen.

Dem Lob am Anfang des Liedes folgt fünf Mal der Auftrag, die Einladung, die Ermutigung, vielleicht auch ein Stück die Mahnung:  Seht. Seht. Schaut hin. Augen auf. Wirken lassen. Tag und Nacht. Gerade in der letzten Woche konnten wir das unglaublich eindrucksvoll erleben, wie sich das Sonnenlicht Bahn bricht durch die Schauerwolke. Ein schönes Symbol. Licht bricht sich immer wieder Bahn. Hoffnung. Zuversicht.

Und ebenso das Licht in der Nacht. Mitten in der Coronakrise kurz vor Ostern haben wir den Vollmond besungen. Das hat uns verbunden in dieser schweren Zeit.

Morgen ist wieder Vollmond. Licht in der Nacht. „Seht wie Gott der Erde Ball hat gezieret überall Wälder, Felder, jedes Tier, zeigen Gottes Finger hier“. Seine Schöpfung. Seiner Hände Werk. Uns anvertraut? Gut Neander brauchte sich 1680 noch nicht fragen, was wir aus der anvertrauten Schöpfung gemacht haben. Aber wir müssen es.

Dann der Blick nach oben, Vögel, Blitz und Donner, Hagel Wind. Dieses Ausgesetzt sein den Naturgewalten haben die Menschen um 1680 natürlich noch viel unmittelbarer erlebt, ohne Blitzableiter, Zentralheizung und ein festes Dach über dem Kopf. Bewunderung das eine, aber auch Respekt gegenüber den Naturgewalten. Eine Balance, über die heute nur noch wenige nachdenken.

Das Wasser – wie wunderbar ist es zwischen den Meeren zu leben. Das Wasser vor der Haustür zu haben. Vielleicht haben Sie das früher auch einmal gemacht, in den Bergen, Quellwasser sprudeln gesehen und sich daran erfrischt.

Ja , in diesen Worten ist ein gläubiger Mensch wie Neander berauscht, erfüllt, schaut genau hin und lädt uns ein, es ihm nach zu tun.

Und am Schluss, schließt sich der Kreis zwischen der ersten und letzten Strophe. Hier drinnen, in unserer Seele soll das Wunder der Natur Resonanz finden

„Drücke stets in meinem Sinn, was du bist und was ich bin.“

Das ist wichtig. Die Verbundenheit aber auch der Abstand. Was du bist – wir sind Geschöpfe, nicht Schöpfer –lange genug hat der Mensch diese Grenze schon längst überschritten und muss zunehmen mit den Folgen leben.

Was ich bin, nicht ein kleines Sandkorn, nicht  ein Nichts, wie es an anderen Stellen oft heißt. Sondern ein Teil des Ganzen. Ein ganz wichtiger.

Lebendig: Eingebunden in diese Natur. Und das gibt mir Kraft auch in schweren Zeit.

Amen

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!

 

 

>Live-Mitschnitt der Marktmusik vom 25.07.2020

>Live-Mitschnitt der Marktmusik vom 20.06.2020

>Live-Mitschnitt der Marktmusik vom 06.06.2020

>Orgelvideo von Julian Mallek zum Wochenlied (Rogate) "Vater unser im Himmelreich (EG 344)

>Orgelvideo von Julian Mallek mit "Vater unser im Himmelreich" von G. Böhm

>Orgelvideo von Julian Mallek mit "Christ ist erstanden" von J. S. Bach

>Orgelvideo von Julian Mallek mit "In dir ist Freude" EG 398 aus dem Orgelbüchlein von J. S. Bach.

>Orgelvideo von Julian Mallek zum Wochenlied (Quasimodogeniti) "Mit Freuden zart" EG 108

>Orgelvideo von Julian Mallek mit "Dic nobis Maria" von H. Scheidemann

>Orgelvideo von Julian Mallek zum Wochenlied (Karfreitag) "O Haupt voll Blut und Wunden" (EG 85)

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>Orgelvideo von Julian Mallek zum Wochenlied (Lätare) "Korn, das in die Erde" (EG 98)

 

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