Ev.-luth. Kirchengemeinde Preetz

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Gruß zum Sonntag

Gruß zum 20. Sonntag nach Trinitatis am 25. Oktoberber 2020
von Propst Faehling

 

Mk 2, 23-28
23 Und es begab sich, dass er am Sabbat durch die Kornfelder ging, und seine Jünger fingen an, während sie gingen, Ähren auszuraufen. 24 Und die Pharisäer sprachen zu ihm: Sieh doch! Warum tun deine Jünger am Sabbat, was nicht erlaubt ist? 25 Und er sprach zu ihnen: Habt ihr nie gelesen, was David tat, da er Mangel hatte und ihn hungerte, ihn und die bei ihm waren: 26 wie er ging in das Haus Gottes zur Zeit des Hohenpriesters Abjatar und aß die Schaubrote, die niemand essen darf als die Priester, und gab sie auch denen, die bei ihm waren? 27 Und er sprach zu ihnen: Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen. 28 So ist der Menschensohn Herr auch über den Sabbat.

Liebe Gemeinde,

Dorothee Sölle hat einmal Folgendes gedichtet:

Du sollst dich selbst unterbrechen.
Zwischen
Arbeiten und Konsumieren
soll Stille sein
und Freude.
Zwischen Aufräumen und Vorbereiten
sollst du es in dir singen hören,
Gottes altes Lied von den sechs Tagen
und dem einen, der anders ist.
Zwischen
Wegschaffen und Vorplanen
sollst du dich erinnern
an diesen Morgen,
an deinen und aller Anfang
als die Sonne aufging
ohne Zweck
und du nicht berechnet wurdest
in der Zeit, die niemandem gehört
außer dem Ewigen.

Das ist, was die Pharisäer noch verstehen müssen: Es geht am Feiertag, am Sabbat um die heilsame Unterbrechung. Um das Leben, das Über-Leben geht es. Dazu braucht es die Pause. Aber natürlich braucht es auch in der Pause den gestillten Hunger.

Ja, natürlich darf man dann Essbares einsammeln und essen; denn was von Gott kommt, ist um der Menschen willen gemacht, es dient dem Leben der Menschen, will heilen, heilsam unterbrechen, aber nicht zwanghaft steuern.

Was braucht der Mensch? scheint Gott regelmäßig zu fragen. Deshalb hat er den siebten Tag, an dem er selbst ruhte, zum Ruhetag der Menschen gemacht. Selbst Gott braucht eine Pause. Also gönnt er diese auch dem Menschen. Er gönnt. Er zwingt nicht; schon gar nicht um der Regel willen.

Ich erlebe, dass Menschen geradezu glücklich sind, wenn sie Gott als so einen wahrnehmen, der zum Leben befreit, der einlädt, das zu tun, was dem Leben dient.
Viel zu lang wurde und wird noch Gott als Regelerfinder missbraucht, z.B. als verlängerter Arm der Moral, als verlängerter Arm derer, die etwas durchsetzen wollen, auch z.B. früher zumindest als verlängerter Arm der Eltern.
„Der liebe Gott sieht alles“.
Darüber lachten heute mehr Menschen als früher. Aber dieses Lachen hat immer noch einen leicht zynischen Beigeschmack. Das Hinschauen Gottes fühlt sich manchmal gar nicht mehr hilfreich an, so wie es ursprünglich in der Bibel gedacht war. Zu oft wurde es missbraucht, um hinter die Kulissen, durch die verschlossenen Türen, in die sogenannten verstockten Herzen zu schauen, um dort aufzudecken, was jede und jeder ansonsten ganz normal auch für sich behalten dürfte.

Gottes Alles, Gottes Regeln, Gottes Wirken ist im Ursprung daran ausgerichtet, Leben zu ermöglichen. Damit beginnt die Schöpfung; das verläuft als roter Faden quer durch zahllose Geschichten von Rettung und Bewahrung; und es gipfelt darin, dass Gott das Kreuz leer macht. Er holt nicht nur den toten Leib vom Balken; er holt auch den Tod aus seiner Macht; setzt ihm lebendige Liebe entgegen; durchbricht die Grenzen, die den Menschen soviel Mühe machen, wenn sie nicht mehr lieben, nicht mehr leben, nicht mehr ihre Wege finden können.

Dafür – ja – gibt es von Gott auch Regeln. Menschen brauchen regeln. Die bekanntesten sind die zehn Gebote. Aber genau da wird auch deutlich, dass diese allein den Zweck haben, menschliches Zusammenleben auszubalancieren.
- Nicht töten; denn wenn alle sich daran halten, muss niemand fürchten, getötet zu werden.
- Nicht falsch über andere reden; denn dann sind alle vor übler Nachrede und Lügengeschichten sicher.
Nicht zufällig gibt es so etwas wie die zehn Gebote in praktisch jeder Kultur der Erde. Das ist keine christliche Erfindung allein. So wird Leben geregelt. Das ist notwendig.

Aber von Gott her gedacht,, steht noch etwas über diesen Geboten, das sogenannte Doppelgebot der Liebe: Du soll Gott lieben; und: Du sollst deine Nächste und Deinen Nächsten lieben wie dich selbst.
Selbst- Nächsten- und Gottes-/Lebens-Liebe – das sind die Grundkräfte. Alle anderen Regeln müssen sich dieser Überschrift unterordnen.
Das gilt für das Sabbatgebot, das gilt für den Feiertag, das gilt für das gesamte Regelwerk, das wir uns schriftlich, mündlich, überliefert, gesellschaftlich geben.
Dient es den Menschen?
Ist es liebevoll ausgerichtet?
Womit Liebe zum Leben gemeint ist.

Können Sie als Gemeinde etwas davon wahrnehmen, wie starr die Pharisäer gedacht haben? Vielleicht, weil sie selber unter dem Druck der vermeintlich wichtigen Regeln schon so starr geworden waren.
Vielleicht waren sie ganz irritiert, vielleicht ärgerlich, vielleicht auch neidisch, dass die Jünger so fröhlich, entspannt, den Sonntag genießend durchs Land gezogen sind und ihren Hunger spontan stillen konnten.
Vielleicht berührt diese Leichtigkeit der Jünger eine tiefe Sehnsucht in den Gesetzeslehrern, die spüren, wie sie unter ihrem Regelwerk fast zusammenbrechen, und immer mehr Leben verlieren.
Vielleicht haben sie gespürt, dass ihre vermeintlich treue Frömmigkeit sie immer weiter wegbrachte von Gott, statt Gott nahe sein zu lassen und im Licht seiner Liebe das Leben zu meistern.

Auf mich wirken sie jedenfalls unerlöst, müde, zwanghaft, verstrickt in ein Regelwerk, das von der alten guten Wirkung des Feiertagsgebotes nichts mehr enthielt, sondern nur noch Last der Kontrolle und Frust darüber, dass sie nicht funktionierte.

Mir geht es so, dass spätestens hier etwas überspringt aus dieser Geschichte in mein eigenes Sehnsuchtsbild von Kirche heute.
Ach könnten wir doch selbst mehr von dieser Leichtigkeit leben, erfahren und weitergeben, zulassen und selbst beginnen.
Ach könnten wir doch gerade den Menschen der heutigen Zeit, die so in Hamsterrädern laufen, oder in Corona-Ängsten oder dem Zeitgeistdruck folgen möchten, von dieser Leichtigkeit der Jünger ausstrahlen, die mit ihren Händen im Wandern, im Vorbeigehen finden, was sie in dem Moment für ihr Leben brauchen.

Dazu habe ich Lust, aufmerksam die einzelnen Stellen meiner Arbeit unter diesem Licht zu betrachten und herauszufinden, wo mehr Leichtigkeit sein kann, gute, lebendige, ansteckende Leichtigkeit.
Ich finde, die passt zu einem Gott, der am Anfang das Leben schuf und seitdem größtes Interesse daran hat, es liebevoll zu ermöglichen.

Dazu lohnt es, dass wir uns immer wieder unterbrechen lassen, damit wir diese Gedanken in uns wiederfinden und neu leben lassen.

Amen.

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!

 


>Live-Mitschnitt der Marktmusik vom 29.08.2020

>Live-Mitschnitt der Marktmusik vom 15.08.2020

>Live-Mitschnitt der Marktmusik vom 08.08.2020

>Live-Mitschnitt der Marktmusik vom 25.07.2020

>Live-Mitschnitt der Marktmusik vom 20.06.2020

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>Orgelvideo von Julian Mallek zum Wochenlied (Rogate) "Vater unser im Himmelreich (EG 344)

>Orgelvideo von Julian Mallek mit "Vater unser im Himmelreich" von G. Böhm

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>Orgelvideo von Julian Mallek zum Wochenlied (Quasimodogeniti) "Mit Freuden zart" EG 108

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>Orgelvideo von Julian Mallek zum Wochenlied (Karfreitag) "O Haupt voll Blut und Wunden" (EG 85)

>Orgelvideo von Julian Mallek mit Praeludium und Fuge a-Moll von J. S. Bach

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Samstag, 31. Oktober 2020:

Ich will des Morgens rühmen deine Güte; denn du bist mir Schutz und Zuflucht in meiner Not.
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Am Morgen, noch vor Tage, stand Jesus auf und ging hinaus. Und er ging an eine einsame Stätte und betete dort.
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