Ev.-luth. Kirchengemeinde Preetz

Sie sind hier: Startseite > Gruß zum Sonntag -

Gruß zum Sonntag -

Gruß zum 2. Sonntag nach Epiphanias am 18.01.2026
von Propst Faehling

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn, Jesus Christus. Amen.

1 Dies ist das Wort, das der HERR zu Jeremia sagte über die große Dürre: 2 Juda liegt jämmerlich da, seine Städte verschmachten. Sie sinken trauernd zu Boden, und Jerusalems Wehklage steigt empor. 3 Die Großen schicken ihre Diener nach Wasser; aber wenn sie zum Brunnen kommen, finden sie kein Wasser und bringen ihre Gefäße leer zurück. Sie sind traurig und betrübt und verhüllen ihre Häupter. 4 Die Erde ist rissig, weil es nicht regnet auf das Land. Darum sind die Ackerleute traurig und verhüllen ihre Häupter. 5 Selbst die Hirschkühe, die auf dem Felde werfen, verlassen die Jungen, weil kein Gras wächst. 6 Die Wildesel stehen auf den kahlen Höhen und schnappen nach Luft wie die Schakale; ihre Augen erlöschen, weil nichts Grünes wächst. 7 Ach, HERR, wenn unsre Sünden uns verklagen, so hilf doch um deines Namens willen! Denn unser Ungehorsam ist groß, womit wir wider dich gesündigt haben. 8 Du bist der Trost Israels und sein Nothelfer. Warum stellst du dich, als wärst du ein Fremdling im Lande und ein Wanderer, der nur über Nacht bleibt? 9 Warum bist du wie einer, der verzagt ist, und wie ein Held, der nicht helfen kann? Du bist ja doch unter uns, HERR, und wir heißen nach deinem Namen; verlass uns nicht! 

Du bist doch unter uns, Gott, und wir heißen nach deinem Namen; verlass uns nicht.

Dieser letzte Satz berührt mich. Das kommt so direkt, fast kindlich als Wunsch des Einsamen, als Wunsch in Überforderung und Verlassenheit.
Ich kenne diesen Satz, weil ich ihn so ähnlich immer wieder von Menschen höre. Von traurigen Menschen höre ich das, von ängstlichen, von kranken, von denen, die sich sorgen um nahe Menschen. Ich kenne diesen Satz angesichts von Katastrophen und auch im Zusammenhang mit politisch unlösbar scheinenden Problemen.
Es ist der Satz eines Menschen, dem das Wasser bis zum Hals steht, der keine Idee von Ausweg und Trost hat. Da ist jemand mit seinem Latein am Ende.

Du bist doch unter uns, Gott, und wir heißen nach deinem Namen; verlass uns nicht.

Und seltsam – dieser kurze Einschub – wir heißen nach deinem Namen. 
Also wir sind Christen und heißen nach Jesus Christus so. Und die Menschen damals, die Juden sahen sich ja als auserwähltes Volk Gottes, geradezu ausdrücklich als sein Eigentum.
Aber, so scheint mir, so sprechen mir gegenüber auch immer wieder Menschen, die sich im Alltag des Lebens vielleicht gar nicht mehr ausdrücklich Christen nennen.
Aus Menschen mit distanziertem Verhältnis zu Gott wünschen sich immer wieder, dass Gott sie nicht verlässt. Als wäre Gott, oder noch distanzierter, so etwas wie Gott ein Hilfeort, eine Art Ankerpunkt, fast unabhängig, ob ich ansonsten einen Glauben lebe.

Das kann man kritisieren. Dann heißt es. Schau mal, sonst kümmern sie sich nicht um die Kirche und lassen den lieben Gott einen guten Mann sein, aber in der Not rufen sie um Hilfe. Oder kürzer gesagt mit dem Volksmund: Not lehrt Beten.

Das kann man kritisieren.

Ich will heute stattdessen darüber staunen; und vielleicht auch ein bisschen mich freuen.
Staunen und Freude empfinde ich bei der Idee, Menschen könnten vielleicht eine Art eingewachsene Gottesbeziehung haben. Damit meine ich ein inneres für möglich halten, dass es eine behütende Macht in der Welt und um die Welt herum gibt, die unabhängig von Kirche und ihren Formen da ist und auch sozusagen wie blind geglaubt werden kann. Blind hier als Ausdruck von nicht wissen; wie blinder Fleck.

Auch Menschen, die einen blinden Fleck für Gott haben, können sich nach Gottes Nähe und Hilfe sehnen.
Das ist für mich ein wichtiger Gedanke, weil, wenn man das weiterdenkt, Gott und Mensch in ein ganz direktes Gegenüber kommen können.
So oft meinen wir, es bräuchte einen Pastor, eine Pastorin, oder einen Gottesdienstbesucht, am liebsten eine Kirchenmitgliedschaft, um mit Gott in Kontakt zu kommen.

Hier in diesem direkten Ruf: Du bist doch unser Gott, wir heißen nach deinem Namen; verlass uns nicht entsteht eine unmittelbare Gottesbeziehung.

Warum ist mir das wichtig?
Mir ist das wichtig, weil ich schon so oft erlebt habe, dass Kirche, ihre Formen, ihr Bodenpersonal, ihre Geschichte usw. dem Glauben immer wieder auch im Weg stehen; bis dahin, dass Menschen, die eine schwierige oder verletzende Kirche erleben, verständlicherweise sagen: Mit Eurem Gott will ich nichts zu tun haben.

Dann steht der Ort, der Glauben vermitteln will und soll, richtiggehend im Weg. Und dann wird das Leben, die Lehre der Kirche, das Erleben der Kirche vor Ort oft auch völlig durcheinandergeworfen und auf einmal entstehen all die Sätze, wie:
An einen Gott, der so etwas zulässt, kann ich nicht glauben.
Oder: wenn Kirche so ein Laden ist, will ich mit Gott nichts zu tun haben. Oder auch: Von Dir als Christenmensch hätte ich das ja nicht erwartet.

Hier im Predigttext ist der Draht ganz unmittelbar, ohne Tempel, ohne Priester, ohne heilige Schrift Du bist doch unter uns, Gott, und wir heißen nach deinem Namen; verlass uns nicht.

Und dazu noch die Sätze davor, die die Not, die Dürre, die rissige Erde und den ausbleibenden Regen beklagen. Und das mit dem Satz verbinden als wärest du, Gott, ein Fremdling im Land, ein Wanderer, der nur über Nacht bleibt, ein Held, der nicht helfen kann.

Hier gibt niemand mehr der Institution die Schuld. Hier stehen sich Mensch und Gott existentiell und ganz direkt gegenüber. Fast wie in einem Duell, in einem tiefgehenden Streit klagen Menschen und rufen verlass uns nicht.

Liebe Gemeinde, ich denke, so direkt geht das mit Gott. So dürfen und können wir uns an ihn wenden. So direkt wird er uns antworten. Das glaube ich und das erlebe ich auch immer wieder.
Wer das Wagnis eingeht, so direkt zu rufen, wird Antwort erhalten.

Schauen Sie in unser Gästebuch, es ist voll davon. Wagen Sie den Versuch; es wird in Ihnen so etwas wie ein antwortender Gott klingen – ich bin sicher.

Und dann kommen alle Faktoren des Lebens zu ihrem angemessenen Standort. Probleme schrumpfen, Nöte werden einordnenbar, Kummer wird auf die Strecke tragbar und löst sich evtl. sogar auf. Trost, Heilung, kaum zu wagende Hoffnung gewinnen Raum.
Gottvertrauen nannte das meine Großmutter, die eine fromme Frau war und in die Kirche ging.
Aber sie ging in die Kirche nach! Dem sie Gott begegnet war. Sie fand ihn in der Kirche, aber auch ohne sie. Sie wusste um die Fehler der Kirchenmenschen und kündigte deswegen aber Gott die Beziehung nicht auf. Sie hatte ein streckenweises dürres Leben als Witwe mit drei kleinen Kindern in der Weltwirtschaftskrise, aber das trennte sie nicht von Gott, sondern das machte die unmittelbare Beziehung zu ihm noch wichtiger und fester.
Du bist doch unter uns, Gott, und wir heißen nach deinem Namen; verlass uns nicht.
Mir scheint dieses 2500 Jahre alte Worte ein kluger Hilferuf quer durch die Jahrtausende, in denen menschliches Leben sich so sehr gewandelt hat und weiter wandelt.

Ein kluger Hilferuf, auf den ich Antwort erwarte.
Amen.

 

 

 

P.S. Hier steht demnächst der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!

 

 


Grußwort-Archiv


TagesLosungen

Montag, 19. Januar 2026:

Frage doch zuerst nach dem Wort des HERRN!
2.Chronik 18,4

Jesus spricht: Die Worte, die ich zu euch geredet habe, die sind Geist und sind Leben.
Johannes 6,63
nach oben