Ev.-luth. Kirchengemeinde Preetz

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Gruß zum Sonntag -

 

Gruß zum Ostersonntag am 31. März 2024
von Pastorin Parra

 

Liebe Gemeinde,

Auferstehung, was ist das eigentlich? Wie sieht das aus, ganz konkret?

Vor Augen haben wir in der großen Stadtkirche nur das Bild des Gekreuzigten. Ein von der Folter gezeichneter Körper mit gesenktem Kopf, der Gewalt ausgeliefert, sterbend. Vor Augen haben wir das Leid der Welt, das wir oft nicht ändern können. Wir haben uns schon fast daran gewöhnt. So ist es eben und so war es doch seit Menschengedenken.

Ohnmacht hat viele Gesichter heutzutage:

Ronja gehört in ihrer Klasse einfach nicht dazu. Beim Sport wird sie immer als letztes gewählt und bekommt fast nie den Ball. Die Jungs schubsen und drängeln, damit sie im Kreis nicht neben ihr stehen müssen und die Mädchen tuscheln und kichern, wenn sie etwas sagt. Woran das liegt? An den guten Noten, der Brille oder daran, dass sie ein bisschen stottert wenn sie aufgeregt ist? So geht Ronja lieber ganz hinten mit etwas Abstand, als sie von Mathe rüber in die Turnhalle müssen. Vor ihr drei Mädchen, die sich tuschelnd umsehen. Und plötzlich fällt die schwere Tür vor ihr ins Schloss. Die drei haben das Band weggenommen, das das verhindert. Die Klingel hört in der Halle eh keiner und Klopfen hat auch wenig Sinn. Sie sieht ja schon die hämischen Gesichter der Mitschülerinnen am Fenster. So setzt sie sich auf die Stufen vor dem Eingang und packt ihr Buch aus.

Mayram ist wie über 1700 andere Bootsflüchtlingen letztes Wochenende auf Lampedusa gelandet. Die Schrecken der Überfahrt stecken ihr noch in den Knochen und die Bilder einer Kindheit im Bürgerkrieg plagen sie wenn ihr die Augen zufallen. Gerettet? Hier ist alles heillos überfüllt. Es gibt keinen Platz, um sich von den Strapazen auszuruhen. Was ist aus ihrem Bruder geworden? Sie haben sich aus den Augen verloren, als das Schiff in Seenot geriet. Am meisten Angst hat sie davor, dass Europa ihr verschlossen bleibt, dass man sie wieder abschiebt und alles umsonst war.

Ohnmacht hatte immer schon viele Gesichter. Zum Beispiel vor fast 2000 Jahren: Maria ist mit ihrer Freundin auf dem Weg zum Grab ihres Lehrers. Seinen grausamen Tod konnten sie nicht verhindern. Nun wollen sie wenigstens seinen toten Körper salben, aber wie, wenn doch der schwere Stein davor liegt? Ihr Kopf schwirrt von den grausamen Szenen seiner Kreuzigung. Sie fühlt sich vom Leben abgeschnitten, wie selbst gefangen in der dunklen Grabeshöhle hinter dem schweren Felsblock.

Und vor 3000 Jahren: Hanna hält das Sticheln von Pennina, Elkanas anderer Frau nicht mehr aus: „Hanna, die Kinderlose! Elkana liebt mich eben mehr. Und Gott auch, darum schenkt er nur mir Kinder. Und dich wird Elkana bald satt haben, Guck doch, Du Heulsuse, dir kommen ja schon wieder die Tränen!“ Nach dem Essen steht Hanna auf und läuft in den Tempel. Dort klagt sie Gott ihr Leid – und der hört sie. Sie bekommt einen Sohn, Samuel, der später König David salbt, aus dessen Haus auch Jesus stammt. Hanna, die Kinderlose wird Mutter, Mutter auch unseres Vertrauens:

Gott hört mich. Gott ist da, wenn es mir am schlechtesten geht. Auf das Dunkel folgt Licht, auf die Nacht der Morgen, auf Enge und Ausweglosigkeit weiter Raum und auf den Tod das Leben.

Als sie den Samuel in den Tempel bringt, damit er lernt, ein Diener Gottes zu sein, betet Hanna mit diesen Worten:

 

Mein Herz ist voll Freude über den Herrn.
Der Herr hat mich wieder stark gemacht…
4Der Bogen der Starken wird zerbrochen,
die Schwachen aber bekommen neue Kraft.
5Die Satten müssen sich ihr Brot verdienen,
die Hungrigen aber sind den Hunger los.
Die Unfruchtbare bringt sieben Kinder zur Welt,
doch das Glück der Kinderreichen schwindet.
6Der Herr tötet und macht lebendig,
er führt ins Totenreich und wieder heraus.
7Der Herr macht arm und macht reich.
Er drückt nieder und richtet wieder auf.
8Den Geringen zieht er aus dem Staub,
den Armen holt er aus dem Dreck.
Seinen Platz gibt er ihm bei den Fürsten
und lässt ihn mit Würde auf einem Thron sitzen.
Denn die Säulen der Erde sind von dem Herrn,
er hat die Welt auf sie gegründet. (1. Sam 2,1ff)

Hanna singt in Loblied auf den Gott, der alles verwandelt. Ein Loblied auf den Gott, der aus dem Staub zieht, aufrichtet, lebendig macht.

Maria bleibt erst noch stumm als sie in den ersten Sonnenstrahlen des Ostermorgens den Engel im weißen Gewand erblickt. Das Neue ist so unbegreiflich, so befreiend, dass es ihr Angst macht. Doch dann kommt die Freude: Er lebt! Und sie läuft los und jubelt mitten in die tränenüberströmten, ungläubigen Gesichter der anderen hinein: Er ist auferstanden, Halleluja!

Auferstehen mitten im Leben, im Hier und Jetzt – vorweggenommen werden in ein Haus aus Licht (M.-L. Kaschnitz) - ins Offene geleitet – Gibt es das auch für all die Ronjas und Mayrams, für die Ausgegrenzten und Eingesperrten, denen die Tür zum Leben verschlossen zu bleiben scheint?

Die Osterbotschaft lautet: Ja, das gibt es!

"Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle."  (Offb 1,18)

Die Tür der Turnhalle öffnet sich einen Spalt. Ein schüchtern lächelndes Gesicht erscheint. Frieda hat nie mitgemacht, wenn die anderen gemein zu Ronja waren. Aber bis heute hat sie auch nie etwas dagegen getan. Nun legt sie das Band wieder über den Türgriff und kommt raus zu Ronja. Sie streckt ihr die Hand entgegen. Ronja steht auf und die Beiden gehen zum Sportunterricht als wäre nichts gewesen, aber mit einem ganz warmen, lebendigen Gefühl im Bauch. Und das Komische: Alle haben durch die Fenster zugeguckt und waren ganz still. Niemand hat eine blöde Bemerkung gemacht. Ob jetzt alles anders wird für Ronja?

Mayram muss noch eine ganze Weile in dem Lager bleiben. Aber sie trifft dort Menschen, die ihr helfen, ihren Bruder zu finden. Die Beiden fallen sich in die Arme und danken Gott, dass er sie am Leben sind. Nun wollen sie auch helfen. Wo es möglich ist, legen sie mit Hand an. Wenn Neue kommen, zeigen sie ihnen alles und machen ihnen Mut. Mayram möchte später Krankenschwester werden. Und sie glaubt fest daran, dass sie das schaffen wird.

Gott richtet auf und gibt Würde. Gott eröffnet uns das Leben mit all seinen Möglichkeiten, dass wir auferstehen. Heute hören wir Ostergeschichten – auch um sie weiter zu tragen in Wort und Tat. So wie Hanna, wie Maria und viele andere. Wem wollen Sie die Osterbotschaft bringen? Und wie?

 

Ihre und Eure Pastorin Ute Parra

 

P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit! 


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Freitag, 12. April 2024:

Ich will meinen Bund mit dir aufrichten, sodass du erfahren sollst, dass ich der HERR bin.
Hesekiel 16,62

So liegt es nun nicht an jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen.
Römer 9,16
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