Gruß zum Sonntag -
Gruß zum Sonntag Exaudi am 17.05.2026
von Urich Mattiesen, Mitglied im Bezirksausschuss Schwentine
Dieser Sonntag wird als Exaudi bezeichnet.
Herr, Höre meine Stimme.
Jesus ist am Himmelfahrtstag gen Himmel gefahren.
Aber er hört uns.
Wir können uns mit unseren Sorgen immer an ihn richten.
Deshalb passt der Epheser Brief 3/ Vers 14 bis 21 von Paulus, den wir in der Lesung gehört haben, sehr gut.
Paulus ist mehrfach ich Ephesos gewesen, einer Stadt, die ca. 70 km entfernt vom heutigen Izmir liegt.
Paulus wendet sich an Gott mit der Bitte, den Menschen Kraft und Stärke zu geben.
„darum beuge ich meine Knie vor dem Vater und bitte, er möge aufgrund des Reichtums seiner Herrlichkeit Euch in Eurem Innern Kraft und Stärke schenken“.
Paulus hat diesen Reichtum Gottes Herrlichkeit selber erlebt und wünscht sich dasselbe für die Gemeinde in Ephesos.
Das Leben von Paulus berührt mich sehr.
Vor 3 Wochen habe ich eine Wanderung durch das Elbsandsteingebirge entlang des Malerweges unternommen. 5 Tage in der Natur, eine wunderbare, geradezu spektakuläre Landschaft. Mystische Felsformationen, liebliche Täler, leuchtend grüne Laubbäume, Regen, Sonne, Wind und Licht.
Ich fühle mich bei solchen Wanderungen Gott oft ganz nahe.
Und dann der Höhepunkt der Wanderung:
2 Konzerte des Paulus Oratoriums von Mendelsohn Bartholdy in Pirna und Dresden, die mich tief beeindruckt haben. Das ging mir sehr nahe und ich hatte das Gefühl, das dieses Paulus Oratorium für Mendelsohn auch sehr persönlich war.
Es ist eine Geschichte von Erkenntnis und Wahrheit. Und von Mut und Gerechtigkeit, Vertrauen und Zuversicht.
Paulus hat Grossartiges geleistet.
Er ist als Saulus in Tarsus (heutige Süd Ost Türkei) 5- 10 Jahre nach Christus geboren und war ein Jude mit römischer Staatsbürgerschaft. Er wurde zum Schriftgelehrten ausgebildet und hat sein Geld mit der Zeltmacherei verdient. Als junger Mensch und ausgebildeter Pharisäer meinte er, dass die neuen christlichen Gemeinde die jüdische Gesellschaft bedrohen würden.
Saulus war ein sehr energiereicher und kraftvoller Mann, der überzeugt war, das er die jüdische Gesellschaft vor den Christen retten muss. Und das hat er skrupellos und mit viel Energie vorangetrieben. Er war kein Söldner, er musste sich seinen Lebensunterhalt durch seine Arbeit als Zeltmacher selbst verdienen,
obgleich die jüdische Obrigkeit sein Vorgehen gegen die Christen
geduldet und auch unterstützt haben. Diese Christenverfolgungen waren fürchterliche Progrome, aber Saulus meinte, dass so etwas notwendig wäre, weil die neuen christlichen Gemeinden als gefährlich betrachtet wurden.
Saulus hatte unter anderem an der Steinigung des heiligen Stephanus in Jerusalem teilgenommen und die christliche Gemeinde dort zerstört. Danach zog er mit einem Mob nach Damaskus, um auch dort die neuen christlichen Gemeinden zu zerstören. Und auf dem Wege nach Damaskus wurde Saulus dann bekehrt.
Das war ein bedeutender Wendepunkt in seinem Leben und dieses Ereignis ist für die gesamte Menschheit von besonderer Bedeutung. Saulus nannte sich nach seiner Bekehrung Paulus und wurde der erste christliche Missionar.
Er hat viele, weite Reisen zu Lande und zur See unternommen, um zu missionieren und christliche Gemeinden zu gründen. Seine Reisern führten ihn in das heutige Griechenland, Phillippi, Tessaloniki , Athen und Korinth
und in die heutige Türkei, Troas, Pergamon, Ephesos, Smirna, Milet, Antiochia, Lystra und nach Zypern und in Staedte des heutigen Israels. Seine Briefe an diese Gemeinden gehören zum neuen Testament. Und seine Lehre betonte
- den Glauben an Jesus Christus und die Liebe Gottes,
- Die Rettung durch den Glauben und
- das alle Menschen auch die Nichtjuden Christen werden können.
Paulus war also ein unglaublich rühriger Mensch der voll Energie
und Kraft war. Finanziert hat er all diese Missionstätigkeiten durch seine Arbeit als Zeltmacher.
Wirklich ein grossartiger Mensch.
Natürlich geriet er durch seine Tätigkeiten in den Konflikt mit den lokalen Machthabern. Einen neuen Glauben zu verkünden bedeutet natürlich, das die Vertreter des bestehenden Glaubens ein Stück weit unglaubwürdig wurden und damit an Macht verloren haben. Und das haben die sich nicht gefallen lassen.
Paulus kam also ca 60 Jahre nach Christus Geburt in Jerusalem und Caesaria in Gefangenschaft und wurde angeklagt.
Da er ein Römer war, wurde sein Fall vor den König Agrippa gebracht.
Nachdem Paulus die Geschichte seiner Begegnung mit Jesu erzählt hatte wollte König Agrippa Paulus von den Anklagepunkten freisprechen aber Paulus hatte auch an den römischen Kaiser appelliert und musste deshalb als Gefangener nach Rom gebracht werden. Das war eine aufregende Seereise und liest sich in der Apostelgeschichte sehr spannend. Sturm, Schiffbruch, Seekrankheit, Hunger und eine Überwinterung auf Malta machten diese Seereise zu einem Abenteuer. Leider wurde Paulus dann nach einigen Jahren von Kaiser Nero ca im Jahre 65 zum Tode, aber nicht durch Kreuzigung, verurteilt.
Die Geschichte von Paulus liest sich wie ein biographischer Abenteuerroman.
Dieser Mann hatte unglaublich viel Mut und Energie.
Aber das interessanteste an seiner Geschichte ist seine Bekehrung.
Saulus war verblendet und voller Hass. Ich glaube nicht, dass er sich mit dem was er tat, wohlgefühlt hat. Er hat schreckliche Dinge orangetrieben, Menschen getötet, gesteinigt und verfolgt.
Und dennoch: es waren einige seiner Empfangskanäle offen,
Er sah Jesus in einem hellen Licht vor sich als er auf dem Weg nach Damaskus war.
Er sah und hörte wie Jesus ihn fragte:
Saul, Saul, Warum verfolgst Du mich? Und Paulus erklärte später König Agrippa bei seiner Verteidigung, dass Jesus zu ihm gesagt hatte,
- dass er aufstehen soll
- dass er zum Zeugen und Diener dessen werden soll, was er gesehen hatte
- und das er zu den Heiden gehen soll, um Ihnen die Augen zu öffnen
- und um sie von der Finsternis zum Licht zu bringen
Paulus war verblendet und durch das helle Licht Jesu wurde er auch buchstäblich blind.
Hananias, ein Christ aus Damaskus half Saulus, sein Augenlicht wieder zu erlangen.
Und Saulus rief Gott an und dankte ihm.
Er wurde dann von Hananias getauft und nannte sich daraufhin Paulus.
Das ist eine wirklich grossartige Wendung. Jesus Stimme hat ihn erreicht. Saulus hat Jesus wahrgenommen und erkannt, dass er bisher falsch gehandelt hat. Und darauf hin hat er sehr konsequent sein Handeln umgestellt,
hat sich taufen lassen und dann mit sehr viel Energie diese vielen und sehr langen Missionsreisen im östlichen Mittelmeerraum unternommen. Ich finde das ist ein grossartiges Beispiel für uns alle.
Wir tun gut daran, auf Gott zu hören. Und wenn wir feststellen, dass wir Fehler gemacht haben, dann sollten wir den Empfehlungen Gottes folgen und unsere Fehler korrigieren, und unser Handeln umstellen.
Paulus schreibt in seinem Epheser Brief: „Ich bitte, dass Gott aufgrund des Reichtums seiner Herrlichkeit und durch seinen Geist Euch in Eurem Inneren an Kraft und Stärke zunehmen lässt. Durch den Glauben wohne Christus in Eurem Herzen, in der Liebe verwurzelt und auf sie gegründet, sollt ihr zusammen mit allen Heiligen dazu fähig sein, die Länge und Breite, die Höhe und Tiefe zu ermessen, und die Liebe Christi zu verstehen, die alle Erkenntnis übersteigt. So werdet Ihr mehr und mehr von der ganzen Fülle Gottes erfüllt“.
Und Paulus schreibt diese Zeilen, weil er das Geschriebene selbst erlebt hat. Es wird Wirklichkeit wenn man Gott darum bittet und wenn man Christus in seinem Herzen wohnen lässt.
Mendelsohn hat diese Ereignisse sehr eindrucksvoll musikalisch dargestellt. Ich habe das Leben von Paulus in dem Konzert miterlebt. Das war sehr sehr ergreifend und für mich ein grosses Erlebnis.
Für mich ist Mendelsohns musikalische Darstellung der Paulus Geschichte sehr bedeutungsvoll. Mendelsohns Oratorium ist faszinierend, kraftvoll und stark und gibt die Dramatik und die Bedeutung der Geschichte von Paulus
wunderbar wieder.
Jesus und Gott sind in schwierigen und vielleicht gerade in schwierigen Situationen für uns da.
Wenn wir auf einem Irrweg sind, bietet Jesus uns Hilfe an. Gott hört uns wenn wir um Hilfe bitten. Ja er hört uns sogar, wenn wir noch nicht einmal bewusst um Hilfe bitten, wie im Fall von Saulus auf seinem Weg nach Damaskus.
Jesus hat Saulus gerettet. Er hat ihm gezeigt, wie er doch noch aus seinem Leben etwas
Gutes, Wunderbares machen kann. Jesu hat Paulus ermöglicht ,sein Leben für Freude, Gerechtigkeit
und Wahrheit einzusetzen Und Saulus hat Jesus gehört. Er hatte trotz aller Verblendung noch einen Empfangskanal zu
Gott offen. Und das ist, denke ich für uns alle wichtig.
Es ist gut die eigenen Empfangskanäle für Gott offenzuhalten. Es ist gut , zuzuhören. Und an diesem Sonntag, Ex Audi, gibt Jesu uns die Zuversicht, dass er für uns da ist, Das wir ihn anrufen können. Das er uns hört
Das ist für mich sehr wichtig und wird beispielhaft an den Ereignissen des Lebens von Paulus und auch mit der
musikalischen Darstellung von Mendelsohn gezeigt. Auch wenn er sich Himmelfahrt von seinen Jüngern verabschiedet hat, können wir uns auf ihn freuen und diese Freude gibt uns Kraft, Mut und Zuversicht.
Amen
P.S. Hier steht demnächst der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!



