Gruß zum Sonntag -
Gruß zum 18. Sonntag nach Trinitatis am 04.10.2026
von Pastorin Parra
Liebe Erntedank-Gemeinde,
die Geschichte von David kennt noch heute fast jedes Kind: wie er als kleiner Hirtenjunge gegen den Riesen Goliath kämpfte, wie er Harfe spielte und sang (Viele der biblischen Psalmen werden ihm zugeschrieben) und schließlich zum berühmten König wurde, auf den der Stammbaum Jesu zurückgeführt wird.
Aber wussten Sie, dass es auch über seine Urgroßmutter ein eigenes Buch in der Bibel gibt? Das Buch Rut erzählt von einer mutigen jungen Frau. Es erzählt im doppelten Sinn von der Ernte: Kornähren werden gesammelt und geteilt. Auch wenn Rut sie nicht gesät hat, darf sie mit ernten. Sie erntet so auf andere Art, was sie gesät hat.
Das Buch Rut wird beim jüdischen Erntefest Schawuot gelesen und in diesem Jahr ist die Geschichte auch unsere Erntedank-Geschichte an der Stadtkirche.
Noomi ist mit ihrer Familie vor einer Hungersnot in ihrer Heimat Bethlehem nach Moab geflohen. Dort trifft sie Rut. Rut ist Moabiterin und heiratet einen Sohn Noomis. Dann geschieht etwas Schlimmes: Noomis Mann und ihre beiden Söhne sterben. Nun hat sie nur noch ihre beiden Schwiegertöchter in dem fremden Land. Die Hungersnot in ihrer Heimat ist inzwischen vorbei und Noomi entschließt sich, zurück nach Bethlehem zu gehen, wo es noch Verwandte ihres verstorbenen Mannes gibt.
So bricht sie auf – und die Witwen ihrer beiden Söhne mit ihr. Sie wollen sie begleiten und für sie sorgen. Drei Witwen – eine alte und zwei junge – gemeinsam unterwegs.
Das ist so in der Bibel einmalig. Überhaupt werden Frauen nicht oft erwähnt. Aber dies ist eine Frauengeschichte über Freundschaft und Zusammenhalt. Und eine Geschichte über Liebe, die Grenzen überwindet. Darum finde ich, dass dieses Geschichte mindestens ebenso wichtig wie die von König David ist. Ohne den Mut von Rut hätte es den ja schließlich gar nicht gegeben.
Noomi fordert ihre Schwiegertöchter auf, umzukehren. In Bethlehem werden sie arme fremde Bitstellerinnen sein. In ihrer Heimat Moab könnten sie wieder heiraten und Familien gründen. Die eine, Orpha, gehorcht. Aber die andere, Rut, lässt sich nicht drängen. Sie weiß, was ihr Weg ist:
„Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. 17Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden.“ Nichts kann Rut von Noomi scheiden als nur der Tod. Noomi ist ihr wie eine Mutter, die sie niemals im Stich lassen wird.
Schließlich kommen die beiden in Bethlehem an. Dort hat gerade die Gerstenernte begonnen und Rut erhält die Erlaubnis, auf dem Feld des Boas, eines Verwandten von Noomis verstorbenem Mann, Ähren zu sammeln, die bei der Ernte liegengeblieben sind. Boas behandelt sie freundlich. Er weiß, was Rut für Noomi getan hat. Dass sie ihre Heimat verlassen hat, um Noomi beizustehen. Darum sagt er: „Gott vergelte dir deine Tat, und dein Lohn möge vollkommen sein bei ihm, dem Gott Israels, zu dem du gekommen bist, dass du unter seinen Flügeln Zuflucht hättest.“
Aber ich will nicht alles verraten. Wir bekommen die Geschichte an diesem Erntedankfest ja vom Kinder- und Jugendchor als Musical vorgeführt. Und wer nicht dabei sein kann, findet das Buch wie gesagt in der Bibel.
Am Ende wird klar: Rut findet Zuflucht unter den Flügeln des Gottes Israels. Der Gott ihrer Schwiegermutter und Freundin Noomi, der nun auch ihr Gott ist, meint es gut mit ihr. Sie erntet wirklich was sie gesät hat und wird Urgroßmutter Davids.
Später ist Jesus von Nazareth ein Nachfahre Davids und wird auch in Bethlehem geboren. Jesus lehrt die Menschen, einander in Liebe zu begegnen, füreinander da zu sein und zu teilen, was man hat – denn es ist genug für alle da. Bei ihm stehen Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund nicht am Rand, sondern alle Menschen sind gleichermaßen Gottes Kinder.
Ruth wusste schon lange bevor Jesus geboren wurde, dass sie auf den Gott vertrauen konnte, der ihr die Liebe zu ihrer Schwiegermutter Noomi ins Herz gelegt hatte. Dass sich Menschen finden würden, die mit ihr teilen und sie liebevoll aufnehmen würden – im Namen des Gottes, der selbst die Liebe ist und uns gibt, was wir zum Leben brauchen.
Liebe trägt Früchte. Davon erzählt die Geschichte. Aber auch davon, dass wir das nicht selbst in der Hand haben. Das Werden und Wachsen von Getreide wie von Liebe ist ein Geschenk Gottes.
Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land, doch Wachstum und Gedeihen liegt in des Himmels Hand.
Ein gesegnetes Erntedankfest!
Ihre und Eure Pastorin Ute Parra
P.S. Hier steht der Gruß zum Sonntag als PDF zum Download bereit!



